Reinigen, Schützen, Dekontaminieren

Eine Vielzahl in Wien ansässiger Unternehmen hat sich auf Produkte spezialisiert, die Schutz vor Kontamination bieten und – nicht nur im Krankenhaus – für Hygiene und Sicherheit sorgen.

Die Steigerung des Hygiene-Standards war eine der großen Errungenschaften der modernen Medizin. Neuere Erkenntnisse der Mikrobiologie, aber auch das Auftreten multiresistenter Keime machen heute gerade im Krankenhaus einen noch sorgsameren hygienischen Umgang erforderlich. Eine einfache aber wirksame Maßnahme zur Reduzierung der Keimbelastung im Pflegebereich ist bereits die richtige Desinfektion der Hände.

Wirksamste Maßnahme – die Desinfektion der Hände

Die Wiener Uniklinik für Krankenhaushygiene und Infektionskontrolle an der Meduni Wien trägt diesem Umstand mit der Initiative „Reine Hände retten Leben“ Rechnung und stellt eine Anleitung für die hygienische Desinfektion der Hände zur Verfügung, die nicht länger als 30 Sekunden dauert. Für sensible Tätigkeiten, beispielsweise chirurgische Eingriffe, ist das Tragen von Einweghandschuhen unumgänglich. Dabei ist es allerdings immer wieder zum Auftreten allergischer Reaktionen gekommen. Konkret handelt es sich entweder um Typ-I-Allergien, ausgelöst durch in natürlichem Latex enthaltene Proteine, oder um Kontaktallergien. Diese Typ-IV-Allergien werden durch Vulkanisations-Beschleuniger verursacht, die bei der Herstellung von synthetischem Kautschuk verwendet werden. Sempermed, eine Tochter der in Wien ansässigen Semperit AG Holding, bietet bereits einen großen Teil seines umfangreichen Portfolios aus Operations-, Untersuchungs- und Einwegschutzhandschuhen latexfrei, also auf Basis von Synthesekautschuk an.

Das Problem der Kontaktallergien

Schwieriger zu lösen war das Problem der Kontaktallergien. Denn die Vulkanisation, bei der Kautschukmoleküle durch Schwefelbrücken vernetzt werden, ist ein wichtiger Schritt, um die gewünschten Materialeigenschaften zu erhalten. Gemeinsam mit dem Kompetenzzentrum PCCL in Leoben wurde am österreichischen Entwicklungs- und Produktionsstandort von Sempermed ein Verfahren entwickelt, bei dem Polyisopren mittels UV-Licht anstatt durch Zugabe der potenziell allergieauslösenden Verbindungen vernetzt wird. Für diese Entwicklung wurde das Unternehmen kürzlich mit dem Innovationspreis der European Assocation of Research and Technology Organisation (EARTO) ausgezeichnet.

Die Lösung gegen multiresistente Keime

Bei der Bekämpfung multiresistenter Keime in Krankenhäusern spielt außerdem die Dekontamination von Flächen und Räumen eine wichtige Rolle. Mit der DCX-Technologie wurde ein neuartiges Verfahren  entwickelt, das mit sehr kleinen Tröpfchen einer Wasserstoffperoxid- Lösung einen hohen Grad an Effizienz erreicht. „In den vergangenen Jahren haben wir die Ultraschallköpfe zur Versprühung der H202-Lösung weiterentwickelt, sodass die Desinfektion in wesentlich kürzerer Zeit erfolgen kann“, berichtet Davul Ljuhar, Geschäftsführer von Braincon Technologies. Je nach Umgebungsbedingungen kann die Zahl der Keime damit um bis zu sechs Zehnerpotenzen reduziert werden. International konnten bereits viele Geräte mit DCX-Technologie verkauft werden, der Heimmarkt könnte sich nach Ansicht Ljuhars dagegen noch besser entwickeln: „In Österreich muss noch viel mehr Bewusstsein für die Problematik der Krankenhauskeime geschaffen werden.“   

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